Mittwoch, 4. August 2010

Zwei Welten, Teil II

Berlin im Sommer ist wunderbar. Bei meinem ersten Besuch voriges Jahr im Februar lag die Stadt im Dornröschenschlaf unter einem halben Meter Schnee, die Menschen waren mürrisch, der Himmel dunkel und das Essen grausam. Diesmal war sie, so wie ich sie mir schon vor dem ersten Mal vorgestellt hatte, freundlich, laut, bunt und anstrengend. Neue Eindrücke hämmerten im Minutentakt auf mich ein, wildfremde Menschen brachten mich zum Nachdenken, zum Lachen und zum Staunen. Ich war auf dem Flohmarkt, im Park und in Clubs, sah Menschen beim Tangotanzen und Karaokesingen, beim Drogennehmen und Kotzen zu. Ich habe Straßen bemalt, Häuserwände fotografiert, Deutsch, Englisch, Italienisch und Spanisch gesprochen. Ich war bei dem unvermeidlichen Fotoshooting, ich war einkaufen, indisch und vegetarisch essen, und ich war im Freischwimmer, im Heinz Minki (Dank an Herrn Glam! Ein lauschiges Plätzchen, allerdings sind die Wartezeiten am Essensschalter ein major turn-off) und am Strand. Ich war im fucking Berghain, weil man da anscheinend gewesen sein muss und im Lomography Gallery Shop in der Friedrichsstraße, in dem zwei Typen arbeiten, die einem Film entsprungen zu sein scheinen. Ich habe mich mit einer Freundin gestritten, mit einer Fremden angefreundet, die alle meine Texte kennt, ich habe mich ver- und gleich wieder entknallt, habe gesoffen, gelacht und getanzt. Gelebt halt.

Und dann kam ich zurück und Mutti fragte mich, wie es war, und ich so: „anstrengend, aber schön“, und sie nickte und meinte „soso“, und erzählte mir dann von den neusten Ereignissen in Pringletown, ein Raubüberfall am helllichten Tag, und X wunderte sich neulich, ob Y denn nun mit Z zusammen sei, weil sie ja zusammen in Urlaub fahren, und das sei schon seltsam.

Wenn Transsexuelle das Gefühl haben, im falschen Körper geboren zu sein, dann bin ich transnativ.

Dienstag, 27. Juli 2010

Der Gewitterabend

O die roten Abendstunden!
Flimmernd schwankt am offenen Fenster
Weinlaub wirr ins Blau gewunden,
Drinnen nisten Angstgespenster.

Staub tanzt im Gestank der Gossen.
Klirrend stößt der Wind in Scheiben.
Einen Zug von wilden Rossen
Blitze grelle Wolken treiben.

Laut zerspringt der Weiherspiegel.
Möven schrein am Fensterrahmen.
Feuerreiter sprengt vom Hügel
Und zerschellt im Tann zu Flammen.

Kranke kreischen im Spitale.
Bläulich schwirrt der Nacht Gefieder.
Glitzernd braust mit einem Male
Regen auf die Dächer nieder.

(G. Trakl)

In Erinnerung an meine Maturaprüfung. Dankeschön auch meinen Deutschlehrer Mister T ("...den Trakl, den machma nimma durch, der kommt eh nicht bei der Prüfung.").

Auch lustig: war in Südtirols monopolistischem Bauernverlagshaus der Buchhandlung. Auf meine Frage, ob sie das neue Buch von Kurt Vonnegut hätten, schaute mich die etwa 12jährige Verkäuferin (die wie als Alibi ein Buch in der Hand hielt, wahrscheinlich Coelho) aus großen Augen an, prustete dann los und meinte: "Also von dem hab ich ja noch nie gehört!" Ja, dann. Gibt's ihn vielleicht gar nicht. Weil, auch der Computer spuckt nichts aus. Also so gar nichts. Und das sei halt schon seltsam, meinte Teenie und kehrte zurück zu ihrer Heulsuse am Fluss oder whatever.

Und meine Leute machen sich sorgen, dass irgendwer in meinem Kaff der ganzen Provinz mein Buch in der Buchhandlung entdecken wird, sobald es herauskommt. Pfff.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Und schon wieder Nachwuchs.

Das Handy klingelt.
"Los, sag mir einen Namen mit E!"
"Hmmm... hamwer doch schon?"
"Ja, aber der Enzian hat Gesellschaft bekommen."
"Und schon wieder einer mit E?"
"Yup, kann ja nix dafür wenn die Bauern zuwenig Fantasie haben, um ihren Kühen andere Namen als Elsa, Evi und Elisabeth zu verpassen."
"Hmmm... Elmo?"
"Super, du hast es echt drauf. Lieb' dich."

Nächstes Wochenende geh' ich mal Fotos machen, sonst sind meine Almberichte so farblos :)

Dienstag, 20. Juli 2010

Zwei Welten

Gerade war ich noch auf der Alm. Unsere Insel auf 2000 Metern, schon wieder und immer noch. (Fast) ungestörte Zweisamkeit, eine Hängematte für die Seele, ein Nest für die Gedanken, die Luft erfüllt vom Summen der Insekten, von unserer Liebe, vom Geruch der Blumen und dem ein oder anderen Kuhfladen. Gehört halt dazu, wie der neugeborene Stier, den wir vor einigen Wochen vor dem Hungertod gerettet haben, weil ihn seine Mami einfach im Stich gelassen hat. Wir haben ihn auf den bescheuerten schönen Namen "Enzian" getauft, und mittlerweile ist er kerngesund und munter, im Gegensatz zu Konny, einer kranken Kuh, die wir dieses Wochenende versorgten (ich durfte beim Spritzengeben assistieren und sie mit Wasser und Streicheleinheiten versorgen - wir spielten guter Bulle, böser Bulle). Dafür weckte sie uns am Morgen mit heftigem Glockengebimmel und Gemuhe direkt vor dem Schlafzimmerfenster, was die Almhüttenromantik etwas dämpfte. Nachts beobachteten wir die Gewitter in der Ferne, spielten Karten oder redeten, bis die Kerzen heruntergebrannt waren. Kein Fernsehen, kein Strom, kein Radio und kein Handyempfang.

Und in zwei Wochen muss ich nach Berlin, wo ein Fotograf und eine Visagistin darauf warten, in einem siebenstündigen Fotoshooting mich Nicht-mehr-ganz-Jungautorin in meiner ganzen Pracht öffentlichkeitstauglich zu machen. Ürks.

Aktuelle Beiträge

Etzt....
Hani wenigstens d'Gschicht zu dine Bilder :P
itlus - 25. Apr, 14:11
und wie geht es dir jetzt?
und wie geht es dir jetzt?
testsiegerin - 25. Mär, 12:59
Oh, Miss Pringle ist...
Oh, Miss Pringle ist wieder da, wie schön! Die Nachrichten,...
testsiegerin - 25. Mär, 12:55
Wie es weiterging
oder Das Tagebuch vom Kieferbruch, Teil 2 Im Krankenhaus...
pringle - 20. Mär, 18:51
Noch so'n Spruch
oder Das Tagebuch vom Kieferbruch, Woche 1 Was soll...
pringle - 16. Mär, 17:43

pappenheimer von auswärts

papeleo


Max Frisch
Stiller


John Lanchester
Fragrant Harbour



Chuck Palahniuk
Pygmy

pap muzik


My Baby Wants To Eat Your Pussy
Ignorance & Vision



Frank Black
The Cult of Ray

"Your time is limited, so don't waste it living someone else's life. Don't be trapped by dogma - which is living with the results of other people's thinking. Don't let the noise of other's opinions drown out your own inner voice. And most important, have the courage to follow your heart and intuition. They somehow already know what you truly want to become. Everything else is secondary."

la loca de los viajes
pap corn
pap muzik
papachos
papelónes
papiroflexia
papirotazos
pappa e ciccia
pappa molle
pappschüsse
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren