Der dürftigen Ausstattung des Kaufhauses meines Vertrauens nach zu urteilen, bin ich der einzige Mensch auf diesem Planeten, der noch CDs kauft. Sobald ich umgezogen bin, lege ich mir als Allererstes ein Haustelefon zu. Mit Wählscheibe wäre super. Ich habe mich von Facebook abgemeldet, verfüge seit Muttertag (!) über eine Brotbackmaschine und noch immer über kein SAT-Fernsehen. Ich telefoniere lieber als SMS zu schreiben, gehe einkaufen statt shoppen und würde meinen Sommer am Liebsten auf der Alm verbringen. Meine Rechtfertigung für meinen neuesten Erwerb, eine Diana F+ aus dem Hause Lomo, fast schon übertrieben analog, so richtig mit Filmrolle zum manuellen Weiterdrehen, quittierte meine Mami mit den Worten: "Was heißt da retro, du bist einfach nur bescheuert!" Aber ich liebe mein neues Spielzeug heiß und innig. Hoffentlich werden die Fotos was. Fortsetzung folgt.
...und ich lege sie mir selbst dahin.
Die Lektorin des Verlags hat wie versprochen angerufen, um meine Textproben mit ihr zu besprechen. Was mir sehr weitergeholfen hat, weil Kurzgeschichten zu den eher schwierigeren Prosaformen gehören, wie ich schon ziemlich bald herausgefunden hatte. Dann ging es um das Gesamtkonzept.
Die Geschichten sollten mehr Sexszenen enthalten, die Leserin will unterhalten werden und möchte keine schwer verdauliche Kost, will heißen, Geschichten, in denen tiefe Gefühle vorkommen, von Liebe über Hass bis hin zu Rache, entsprächen nicht der Grundidee der Buchreihe.
Ich habe der Dame versichert, dass das kein Problem sei, schließlich stünden einige Perlen der Unterhaltungsliteratur noch auf dem Programm, so das Interview mit Mister L über seine 42jährige Saunabekanntschaft und ein rachsüchtiger Vergeltungsschlag einer Dame ebendiesen Alters gegen ihren 27jährigen Ex-Lover, gespickt mit peinlichen Sexszenen. Allerdings kam ich dann doch ins Grübeln.
Sex sells einfach, klar. Aber wenn ich ein ganzes Buch mit Geschichten über junge Männer als Lustobjekte füllen muss, wehrt sich irgendwas in meinem Bauch dagegen. Je mehr Menschen ich befrage, umso deutlicher tritt hervor, dass Paare mit umgekehrtem Altersunterschied nicht wegen, sondern trotz ebendiesen Altersunterschieds zusammen sind. Und es wäre unverantwortlich von mir, nur den beschränkten Aspekt der Verjüngungskur durch Ficks mit jüngeren Männern zu untersuchen und literarisch wiederzugeben, wenn doch so viel mehr dahintersteckt - und wenn sich Beziehungen zu "toy boys" gar nicht so anders als "normale" Beziehungen gestalten.
Ich möchte dieses Buch unbedingt schreiben. Aber ich will mich später nicht dafür schämen müssen.
Die letzten zwei Wochen waren etwas hektisch, aber jetzt habe ich es vorerst hinter mir. Zur Erklärung:
Ein deutscher Verlag hat angefragt, ob ich an einem Buchprojekt interessiert sei. Nach einiger Überlegung (und Befragung von einer, die das hinter sich hat, vielen Dank für den kostbaren Rat, Frau Testsiegerin :)) die verlangten Unterlagen - Lebenslauf, Exposé und 2 Textproben - nach Berlin geschickt.
Erleichtert und glücklich. Jetzt heißt es nur noch warten. Auch wenn nichts daraus werden sollte, meine Motivation ist geweckt, und mein Ego angestachelt.