Gestern mit Mama Pringle einen Vortrag über Gebärdensprache und Hörimplantate besucht. Dass die Veranstaltung nicht geeignet für Schwerhörige war, hätten sie auch vorher sagen können. Mutti hörte zu wenig, um die Sprecherin zu verstehen, und zu viel, um auf die Gebärdendolmetscherin angewiesen zu sein. Was soll's, wenigstens die Cocktails waren gut.
Und jetzt gerade schreibe ich an einer Weihnachtsgeschichte. Im Kopfhörer läuft "Ihr Kinderlein kommet", im Büro die Klimaanlage und draußen der Schweiß aus allen Poren.
Wenn man sich am ersten Tag im Freischwimmbad neben den schlanken, durchtrainierten, perfekt vorgebräunten Freundinnen fühlt wie ein gestrandeter Wal mit Mehlwurmteint und schon über den Kauf eines dieser unsäglichen Ü30-Pareos für die Problemzonen nachsinniert (Warum haben Männer keine Cellulitis? - Weil's einfach schiach ist), kann man sich glücklich schätzen, wenn der Mister wieder mal genau die richtigen Worte findet. Ein ernsthaft vorgebrachtes "Ehrlich gesagt, hast du die beste Figur" öffnet euch alle Türen, Jungs. Alle.
Wir haben uns das letzte Mal vor einem halben Jahr gesehen. Obwohl wir nur wenige Kilometer entfernt voneinander leben, gibt es einfach zu wenige Berührungspunkte. S. hat eine Freundin und ein Kind, zusammen mit zwei Jobs ergibt das Zeitprobleme beim Organisieren von Treffen mit alten Freundinnen. Mein Leben verläuft sowieso meist chaotisch, weshalb man meinen möchte, es sei nicht einfach, die Freundschaft am Leben zu erhalten.
Und trotzdem geht es ganz leicht. Meist mit viel Alkohol, sehr viel Blödsinn und langen Gesprächen, die sich weniger um die Eckdaten in unserem Leben drehen, sondern um unser Innerstes, die Probleme, die Fragen, die Sehnsüchte, die Erfahrungen. Mit ihm ist es ganz leicht, über Dinge zu reden, über die ich sonst mit niemandem spreche. Und ich habe keine Ahnung, warum.
Aber das ist auch egal. Es ist einfach schön, mit jemandem, den man zweimal im Jahr sieht, um vier Uhr morgens über die Erziehung seiner Tochter zu plaudern, über Musik, über Eltern, die alt werden, Beziehungen, die sich festigen, alte gemeinsame Freunde und neue Erlebnisse. Ratschläge anzunehmen, weil der andere die Dinge von einem ganz neuen Standpunkt aus betrachtet. Sich anzuschweigen und zu wissen, dass alles in bester Ordnung ist.
Also dann... bis Weihnachten, Bruder!
Ein angetrunkener Mister L philosophierte gestern über Freundschaft: "Ich habe mich mit einem meiner besten Freunde verkracht. Sowas kommt vor, aber man muss sich in einer derartigen Situation fragen, was einem diese Begebenheit nun sagen will. Was man daraus lernt und wie man das für sich selbst interpretiert."
Ich tröste ihn: "Ich habe im letzten Jahr mit meinen drei besten Freunden gebrochen."
Er so, mit mitfühlendem Blick: "Und, welchen Schluss hast du daraus gezogen?"
"Dass ich mit Arschlöchern befreundet war."