Montag, 7. September 2009

Stadtpflanze goes Hiatamadl

Habe um Mitternacht unser kleines Paradies verlassen und mich in der klaren, kalten (um die 0 Grad) Vollmondnacht mutterseelenallein auf den Heimweg gemacht. Laut singend, um meine Angst vor irgendwelchen herumgurkenden Bären (schlafen die eigentlich nachts? muss ich mal googeln) zu überspielen. Und bin fast in eine riesige Kuh gerannt, die doof muhend vor dem Zaun stand, über den ich klettern musste. Irgendwie hab ich immer noch einen Scheißrespekt vor diesen Mistviechern.

Die Stadt hat mich wieder. Und je mehr Zeit ich oberhalb der Waldgrenze verbringe, umso unzufriedener werde ich mit dem hektischen Leben im Tal.

Mittwoch, 2. September 2009

Unsere Insel

liegt auf 2000 Metern. Gestern hatten wir Gesellschaft von Mister D, der vor der Hütte in der Sonne saß, auf seiner Gitarre herumklimperte und alle Passanten mit einem schallenden "Grüß Gott!" begrüßte. Eine italienische Touristin blieb stehen und fragte ihn neugierig, ob er denn hier arbeite. Seine Antwort:

"Na, I'm qua in ferie."

Die beste Freundin, das unbekannte Wesen (Teil 212)

Ich habe die Angewohnheit, meine Freundschaften weitaus öfter in Frage zu stellen als meine Beziehungen. Weil es auch in einer Freundschaft wichtig ist, ehrlich zu sich und zu einander zu sein und hin und wieder zu überprüfen, ob die Verbundenheit wirklich immer noch so tief wie einst ist, oder ob einem das "beste Freundin" nur mehr aus Gewohnheit herausrutscht.

Bei manchen guten Freunden liegt die Antwort klar auf der Hand, bei einigen ergibt sie sich nach kurzem Überlegen, und ganz selten gerate ich in eine Zwickmühle, weil sich mit aller Macht die Grundsatzfrage nach dem Warum dieser Freundschaft aufdrängt.

So wie neulich mit Miss B.

Seit Monaten nicht gesehen, Miss B wohnt in Deutschland, schreibt keine E-mails, ruft selten an und hat keine Zeit für Internetspäßchen wie Blogs, Facebook undsoweiter. Der Kontakt beschränkt sich auf 4, 5 Telefongespräche im Jahr und ein Treffen, wenn sie doch mal nach Hause kommt. Wohlgemerkt, eines, weil sie es nicht mag, sich mit mehreren Freundinnen gleichzeitig zu treffen und etwas zu unternehmen, sondern lieber Einzelsitzungen abhält. Also ging es letzte Woche zum Eisessen. Ihr kleiner Neffe war mit von der Partie, weil ich ja ihre Abneigung gegen Gruppen, die größer sind als 2 Personen, nicht teile.

Die Anwesenheit des Kleinen ersparte ihr die aufregenden Details meines Liebeslebens, die groben Eckdaten nahm sie mit aufmunternder Zustimmung zur Kenntnis. Um gleich darauf den kleinen Racker in den Sandkasten zu schicken, sich mit verschwörerischer Miene zu mir herüberzubeugen und mir zuzuraunen:

"Mein Freund, der hat da einen Kumpel, der wär' was für dich."
Leicht irritiert schaue ich sie an: "Wie meinen?"
"Ja, er heißt Alex und ist total... wie soll ich sagen... na ja, er wär' halt was für dich."
"Du willst mich verkuppeln?"
"Neeeeeee... verkuppeln, so ein blödes Wort. Ich mein' ja nur."
"Du hast mir aber schon zugehört, als ich dir von Mister G erzählt habe?"
"Ja, schon, aber, na, du weißt schon..."

Ich weiß natürlich ganz genau, was sie sagen will. Das wird ja nicht ewig gehen. Als ob ich das nicht selbst wüsste.

Aber irgendwie bin ich jetzt schon neugierig, weniger auf den Typen als auf den Grund, warum sie meint, er würde zu mir passen. Ich hake nach.

"Warum wäre der was für mich?"
Sie druckst herum. "Na jaaaa... er ist gleich alt wie du."
Donnerwetter. "Hey, das ist ja schon mal 'ne Bombengemeinsamkeit. Was macht er so?"
"Äääähm... er hat Jura studiert."
Gähn. "Hat er?"
"Ja. Und dann hat er abgebrochen und möchte jetzt Lehrer werden."
Uh. Na dann. Ich bin sprachlos.
Sie setzt sofort nach: "Weißt du, er weiß einfach nicht so recht was er mit seinem Leben anfangen soll. Das Geld für sein Studium hat er sich mit Pokern verdient." Das klang jetzt fast schon... stolz?!?
Langsam werde ich nun doch ärgerlich, vor allem, weil ich in ihrem Gesicht keine Spur von Ironie feststellen kann.

"Und da denkst du, der wär' was für mich? Sag mal, hast du sie noch alle? Abgesehen davon, dass mich momentan keiner interessiert, wo sind wir hier, bei 'Loser sucht Frau'? Schaut der Kerl wenigstens gut aus?"
Mit einem entschuldigenden Schulterzucken meint sie: "Äh, nein, nicht wirklich. Also, er ist nicht hässlich oder so... aber halt auch nicht gerade gutaussehend."

Dass sie glaubt, ein hässlicher und obendrein auch noch planloser Lehrer, der sich seinen Lebensunterhalt mit Zocken verdient, wäre was für mich, nehme ich ihr weitaus weniger übel als die Tatsache, dass sie als Freundin mit ihrer Einschätzung meiner Person so total danebenliegt.

Das große Freundinnensterben geht also weiter. Zuerst Black Mamba und nun Miss B. Seufz. Vielleicht sollte ich weniger Fragen stellen und mich weiter unverstanden fühlen. Gibt ja Schlimmeres.

Mittwoch, 26. August 2009

She won't let you fly, but she might let you sing

Es ist wie damals in der Pubertät: je mehr dagegen spricht, desto besser findet man etwas.

Montag, 24. August 2009

"Und, wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?"

In unserer kleinen Welt genießen wir ungestört unsere Wortgefechte, laufen planlos mit demselben debilen Grinsen im Gesicht herum und suchen uns ständig mit immer noch leicht ungläubigen Blicken. Das Tapsen meiner nackten Füße auf dem Küchenboden zaubert ein zufriedenes Lächeln in sein Gesicht, während er noch verschlafen im Bett liegt. Und wenn er verstohlen meine Hand nimmt und mir ein "ich liebe dich" zuflüstert, weil er glaubt, ich schlafe schon, küsse ich seine Finger und glaube zu träumen.

Eindringlinge kapitulieren vor so viel klebrigsüßer Zweisamkeit und beschränken sich auf stummes Staunen und fragende Blicke. Wir haben keine Angst vor der Welt da draußen, aber vielleicht hat sie Angst vor uns. Vor diesem seltsamen Paar, das auf den ersten Blick gar nicht mal so übel zusammenpasst, und bei dem sich erst nach und nach die Frage aufdrängt, woher diese geballte Ladung an liebevollen Zuneigungsbekundungen wohl kommt.

Vielleicht überschütten wir uns deshalb mit all der Liebe, zu der wir fähig sind, weil wir wissen, dass es sonst keiner wagt. Weil wir auf wenig Verständnis stoßen, weil wir das Bild, das wir ständig vor dem Rest der Welt aufrechterhalten müssen, in unseren vier Wänden ganz sicher nicht an die Wand hängen. Weil wir es leid sind vorzugeben, ganz tapfere kleine Krieger zu sein, die nur allein vorankommen, ohne fremde Hilfe und ohne den ganzen Gefühlskram.

Und, ja, natürlich: weil wir impulsiv sind. Im Hier und Jetzt leben und lieben. Weil unsere kleinen Glücksmomente bereits seit Tagen andauern und zu einem großen verschmelzen. Weil wir uns aneinander klammern, wohl wissend, dass wir einander nicht retten können.

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