Mein lieber Herr Romanautor...

Ein neues Buch lesen ist ein bisschen wie ein erstes Date. Man weiß nicht, was einem bevorsteht, Lobeshymnen von Dritten und ein nettes Cover sind keine Garantie für eine funktionierende Chemie, und entweder man legt den Wälzer genervt zur Seite, nachdem man sich zwei Wochen lang lustlos durch die ersten 30 Seiten gekämpft hat, oder man liest ihn gierig in zwei Tagen aus und ärgert sich dann, dass es so schnell vorbei war.

Obwohl ich Bücher von Menschen, die ich in der realen Welt (oder in diesem Fall zumindest virtuell) liebgewonnen habe, immer mit gemischten Gefühlen aufschlage, bestätigten sich meine Befürchtungen bei "Ashby House" gottseidank nicht. Die schlimmste? Zu wenig Glam und zu viel Akte X. Die Vorstellung, diese ungefilterte, freche, schonungslos ehrliche und emotionale sowie äußerst unterhaltsame Schreibe, die mich immer wieder auf Glams Blog zurückkehren lässt, im Buch unter irgendwelchen zweitklassigen, reißerischen paranormalen Spukgeschichten suchen zu müssen (die ohnehin nicht zu meinen bevorzugten Genres gehören) ließ mich ebenso aufstöhnen wie des Autors Koketterie in Bezug auf den "homosexuellen Analsex auf Seite 41" (war es falsch davon auszugehen, dass Sie schon ein paar deftige Szenen einbauen würden, Herr Glam? Sie müssen da gar nicht extra drauf hinweisen, Sie haben das nicht nötig, nicht wie die Frau Möchtegernschriftstellerin mit ihren Avocadokernen, pfui bäh). - Ja, und ich sollte aufhören, Danksagungen zuerst zu lesen). Vom Cover ganz zu schweigen. Da teile ich die Meinung des Herrn Burkhard. Nichtssagend, farblos und eine verheerende Anordnung der Motive. Da war das wirklich besser.

Wo war ich - ach, der Roman, genau. Natürlich habe ich ihn in zwei Tagen ausgelesen (ich spare mir das Wortspiel mit dem "verschlungen" hier einmal, kommt eh noch oft genug) und ärgere mich jetzt. Mehr noch als eine Fortsetzung interessiert mich allerdings eine Verfilmung.

Ich habe die Shalott-Schwestern mit all ihren charakterlichen Eigenheiten und Makeln richtiggehend liebgewonnen (wobei mir Laura irgendwie erheblich sympathischer ist als Lucille, was vielleicht daran liegt, dass ich alles genau so machen würde wie sie. Genau so. Alles), schwärme für den hübschen Steerpike und natürlich noch mehr für den *hüstel* animalischen Slasher. Danke übrigens für die zwar etwas schundroman-eske aber nichtsdestotrotz sexy Sexszene (die erste plausible, oder zumindest theoretisch mögliche Beschreibung - Anleitung? - von 4-Minuten-Sex inklusive weiblichem Orgasmus, die mir untergekommen ist, und das von einem schwulen Autor. Na bravo.) Kleiner Wermutstropfen dabei: es wird ein bisschen zuviel erklärt. War das die ursprüngliche Intention des Autors?

Obwohl meine Gruselliteratur-Kenntnisse gegen null gehen (ich bin Stephen-King-Jungfrau) und ich das alte Hollywood (bis auf Marilyn!) nicht sehr spannend finde, hat mich das Buch gefesselt. Spannend geschrieben, voller Wortwitz und dabei ganz unangestrengt. Ich muss zugeben, ich bin überrascht, wie sehr Ihnen das Genre liegt, Herr Glam. Nicht dass ich Sie unterschätzt hätte. Aber es ist eine unglaubliche Gratwanderung, die Sie da geschafft haben - zwischen Hollywood, Psychoanalyse, emotionalen Verstrickungen, geschichtlichen sowie übernatürlichen Geschehnissen, Sex und Shining und dieser für Sie typischen Melancholie, die immer wieder durchscheint und die ich so mag.

Und überhaupt, ich sagte es schon einmal und wiederhole mich gerne:

Joyce Carol Oates kann stolz darauf sein, im selben Verlag wie V. K. Ludewig zu sein.
glamourdick - 13. Mrz, 12:08

Und jetzt hab ich mir gerade ein fliederfarbenes T-Shirt mit fire-engine-rotem Aufdruck "Psycho-Cowboy" bestellt, dabei wäre der letzte Satz auch sehr schön auf einem Teil Oberbekleidung. Aber vielleicht stick ich mir ein Kissen. Besser zwei. Eins für die Oates auch. DANKE!

P.S.: Ich bin immer wieder überrascht, wie die Sex-Szenen in jeder Rezension hervorgehoben werden. Ich bin doch nicht der einzige, in dessen Büchern Menschen poppen... Bei all dem, was die sonst durchmachen mussten, hatten sie sich ein bisschen Sex doch wirklich verdient ;-)

pringle - 13. Mrz, 14:07

der psycho steht ihnen sicher auch gut :) und die sexszenen wollte ich jetzt nicht hervorheben, die sind ja für glam-verhältnisse, äh, fast schon bieder. und verdient hamse sichs sowieso alle :) (naja die agentin nicht, aber die ist sowieso unfickbar)

ach mir fallen so viele sachen ein, die ich noch anmerken wollte, aber ich glaub ich pack die in meine "richtige" rezension auf amazon. morgen. für heute ist schluss mit der lobhudelei...

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